Sophie Lange: Geschichte und Geschichten der Eifel

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3 Matronen, 3 Äpfel, 3 Generationen (Margit, Nora, Sophie) Foto: F.-J. Kochs

Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Geschichte der Eifel. Schwerpunkte meiner Arbeit sind: Matronenkult, Frauengeschichte, Kelten- und Römerzeit, altes Brauchtum sowie Sagen und Mythen. Zu diesen Themen habe ich mehrere Bücher und viele Berichte geschrieben.

Klicken Sie oben links, und finden Sie Geschichte und Geschichten der Eifel. Sie können meine Bücher kennen lernen und mehrere Berichte aus verschiedenen Publikationen nachlesen. (Die Archivierung wird laufend fortgesetzt).

Das Copyright für alle Texte liegt bei Sophie Lange.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an sophie.lange [at] t-online.de.

NEU
Mein Elternhaus (Erzählung)
Der Duft der Äpfel (Erzählung)
So lernte ich Clara Viebig kennen

Es war einmal ....
ein kleines Ding,
ein so genannter Schmetterling,
der war wie alle bunten Falter
recht sorglos - für sein Alter.
Ob´s ihm gut ging oder schlecht,
ihm war alles recht.
Mit Recht.

Es war einmal ....
ein Dichter fein,
der schrieb Gedichte groß und klein,
er schuf Wörter, die es gar nicht gibt,
er liebte Dinge, die sonst keiner liebt.

Neulich mailte er mit seiner Muse Nr. 9:
"He! Besuch mich mal, ich würd´mich freu´n!
Jetzt liegen beide im engen Musenbette
und dichten fröhlich um die Wette.

Es war einmal ....
ein Optimist,
der optimierte jeden Mist:
"Wie wunder-wunderschön ist diese Welt,
die Gott für uns ins Netz gestellt."

Und lobte Gottes große Macht,
der die Erde schuf, wo´s immer kracht.
Zuletzt, wie das im Größenwahn so ist,
baute Gott den allergrößten Mist.

Er schuf die F ra u, den M a n n, die N a c h t -
oh-Gott-oh-Gott!
Was-hast-du-dir-dabei-gedacht?

Ich hoff, dass ihr jetzt alle wisst,
ist Gott ein Opti- oder Pessimist?

Ich weiß es nicht.
So ein Mist!

Weitere Gedichte

Zwischen den Jahren

Eifelwinter
Eifelwinter

Eine unheimliche Geschichte rund um alten Volksglauben
von Sophie Lange
In: Eifel-Winter, Hg Manfred Lang, 2010


Das hochheilige christliche Weihnachtsfest ist für Familie Heinmann in den letzten Jahren immer mehr zu einer wenig beschaulichen Familienfeier geworden. Wie jedes Jahr waren auch diesmal am Heiligabend die erwachsenen Kinder mit ihren Familien zum traditionellen Weihnachtsessen da gewesen. Die Geschenke hatten wie seit einigen Jahren hauptsächlich aus Gutscheinen bestanden, für eine Buchhandlung, für die Apotheke, für ein Konzert, ein Fußballspiel, ein Wellness-Wochenende usw. Die Kinder waren wieder abgereist, nur Peter war noch da. Mit seinen 20 Jahren wusste er noch die Vorteile von Hotel Mama zu schätzen, vielmehr zu nutzen.

Am ersten Weihnachtstag hatte man die Eltern von Vater Heinmann besucht, am zweiten Weihnachtstag waren die Eltern von Mutter Heinmann zu Besuch gekommen. Jetzt am dritten Weihnachtstag war wieder Normalität ins Haus eingekehrt. Während die beiden Männer nichts mit sich anzufangen wussten, hetzte die Mutter durchs Haus, um wieder die vorweihnachtliche Ordnung herzustellen.

„Schade, dass ich nicht waschen darf“, seufzte Frau Heinmann und betrachtete die vollen Wäschekörbe. Auf den fragenden Blick ihres Sohnes erklärte sie, dass doch jetzt vom Heiligabend bis zum Dreikönigstag die Lüstertage seien, auch Rauchnächte oder Raunächte genannt. Und in dieser Zeit zwischen den Jahren seien die Grenzen zwischen Himmel und Erde offen und Dämonen, Geister und unerlöste Seelen zögen in der wilden Jagd durch die Lüfte und bedrohten die Menschen.

„Und was hat das mit der Wäsche zu tun?“ fragte Peter etwas verwirrt. Das schien die Mutter selbst nicht so genau zu wissen und half sich mit der Ausrede, die gang und gebe in der Eifel ist: „Das war immer so.“ Doch dann überlegte sie laut: „Es sollen stille Tage sein und alle unnötigen Arbeiten sollen ruhen, sonst werden die Geister auf die Menschen aufmerksam und dann… ja dann, dann kann allerhand Unheil geschehen.“

„Zum Beispiel, dass einzelne Socken in der Waschmaschine verschwinden oder so etwas?“ fragte der Sohn grinsend. Die Jugend von heute! Nie nahm sie die alten Traditionen ernst.

Fortsetzung:
Zwischen den Jahren

Das Buch ist wieder da!

Buch-Cover: Wo Göttinnen das Land beschützten 2021

Sophie Lange
Wo Göttinnen das Land beschützten
Matronen und ihre Kultplätze zwischen Eifel und Rhein

Erschienen im Eifelbildverlag
Alles über Matronen und deren Verehrung
Überarbeitet und aktualisiert
Das Buch ist im Buchhandel erhältlich für 14,90 Euro.

Der Eifeler als solcher

Aus: Robert Legrand: Die Eifel, Wittlich 1941
Aus: Robert Legrand: Die Eifel, Wittlich 1941 Der Eifeler mit Bart

Eine Satire von Sophie Lange
In: Die Eifel 2/1991

Der Ur-Eifeler als solcher muss heute als eine geschichtliche Figur angesehen werden. Der archetypische Eifeltyp hat sich immer mehr in die Eifel - Einöd - Einsamkeit zurückgezogen. Wurde die Eifelrasse einst der Inzucht bezichtigt, so kann man inzwischen mehr von einer Auszucht sprechen, die manchmal sogar bis ins übernächste Dorf geht. So vermischen sich die Typen immer mehr. Der Ur-Eifeler als solcher war geprägt von der Wesensart des Bauern: natur- und erdverbunden, ländlich-sittlich, emsig-fleißig, klug aber langsam. Diese Ackerer waren so intensiv damit beschäftigt, sich selbst und ihre zahlreiche Nachkommenschaft über Wasser zu halten, dass sie keine Zeit hatten, Verkehrs- und Umweltprobleme zu produzieren. Dadurch hat sich ein Eckchen heile Welt in abgelegenen Eifeltriften erhalten.

Eine waschechte Eiflerin: Meine Suche nach dem Eifeler als solchem begann ich nach 1960, als ich in die Eifel zog. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Kontakt mit einer waschechten Eiflerin. Es war beim Einkauf im Dorfladen, der damals noch nicht Tante-Emma-Laden hieß, sondern Konsum, obwohl das Konsumieren noch nicht alleiniger Lebenszweck war. In diesem Laden stellte sich ein altes Mütterchen - erst später Seniorin tituliert - vor mich, betrachtete mich von Kopf bis Fuß und stellte die Frage, die ich noch oft in der Eifel zu hören bekommen sollte: „De wemm de senn bes due dann?“ (Frei übersetzt: Wer bist du denn? Zu wem gehörst du?) Ich stotterte etwas von „zugezogen“ und wurde nicht mehr beachtet. Beim Verlassen des Geschäftes plagte das Mütterchen jedoch die Neugier: „Wo wohnen Sie denn?“ Hochdeutsch und Sie! Ich sagte es ihr. Sie zeigte auf meine Haare: „Sind die von Natur aus blond?“ Auf diese offene Frage konnte ich nur mit einer ehrlichen Antwort reagieren: „Da ist etwas nachgeholfen“, gestand ich. „Städterin!“ Zischte das Eifelmütterchen voller Verachtung und die von Tacitus beschriebenen germanischen blauen Augen mit dem trotzigen Blick wollten mich vernichten. Ich wollte erklären, dass auch ich vom Lande stamme und dass auch ich „wemm“ wäre, doch stolzen Hauptes schritt die Eiflerin an mir vorbei, deutlich zeigend, wer sie war: Eine-von-hier-Geborene! Das ist die einzige Eifel-Adel-Aristokratie, die sämtliche Blau-Blut-Blessuren und Raubritter-Randale überdauert hat. Ich war der ersten Eiflerin als solche begegnet. Dieses Erlebnis zeigte mir drastisch, dass dieses listige Bergvolk stets offen und ehrlich sagt, was der kümmerliche Rest der Welt klamm und heimlich denkt. Eine lobenswerte, doch manchmal unbequeme Tugend!

Ein Eifeler Urgestein: Als ich mich etwas von dem ersten Eifel-Schock-Kontakt erholt hatte, machte ich mich auf, um beim Bürgermeister die polizeiliche Anmeldung vorzunehmen. Schon von weitem klang mir lauter Gesang entgegen: „Großer Gott wir loben dich!“ Mein Schritt beflügelte sich. Ein Bürgermeister, der dem großen Gott lautstark ein Loblied sang, würde sich gewiss nicht als kleiner Gott aufführen, wie das auch in der Eifel einige Staatsmänner tun. Das Haus mit dem Schild Bürgermeister gehörte zu einem kleinen bäuerlichen Anwesen. Der Volksvertreter schien sich also ansonsten redlich zu ernähren. Ich ging zur Haustür. Diese stand sperrangelweit offen. Das ist ein alter Eifelbrauch aus der guten alten Zeit, als Diebe nie etwas holten, wo nichts zu holen war. In das „Alles, was dich preisen kann“ rief ich ein zaghaftes „Hallo“. Nichts rührte sich. Beim Lauschen stellte ich indes fest, dass der Gesang nicht aus dem Wohnhaus drang. Ich horchte in Richtung Scheune, Ställe, Misthaufen. Kam das Geschmetter etwa? Tatsächlich! Die hochheilige Festtags-Orgie drang aus einem kleinen Häuschen mit einem noch kleineren Herzchen. „Alles ist dein Eigentum!“ Als es in dem verschwiegenen Örtchen einen Atemzug lang still wurde, wagte ich nochmals ein Hallo. Doch der Sänger von Gottes Gnaden hatte schon zum „Heilig Herr Gott Sabaoth“ angesetzt. So wartete und wartete ich, bis alle Strophen der unendlichen Geschichte zu Ende gesungen waren, dann rief ich mein drittes Hallo. Ein energisches „Wäe es do?“ erklang. In Richtung Herzenhäuschen äußerte ich meinen Wunsch, als Bürger in Ort und Gemeinde aufgenommen zu werden. Nach einem beredten Schweigen trat eine Männergestalt aus dem Heiligtum, zog die Hosenträger hoch, setzte eine amtliche Miene auf, komplimentierte mich in die Amtsstube und erledigte höflich korrekt, bürgermeisterwürdig die dienstliche Angelegenheit. In Hochdeutsch natürlich. Ich war einem weiteren Exemplar der seltenen Pflanze Eifeler als solcher begegnet und hatte erfahren, dass die Eifeler großes Gottvertrauen besitzen und Segen von oben sowohl für ein großes, als auch für ein kleines Geschäft erflehen.