Gedichte: Mal ernst, mal heiter ... und so weiter

Gedicht aus dem Fluss gefischt


Wer schreibt, der bleibt,
auch wenn er übertreibt
oder lauter Unsinn schreibt
und sich damit die Zeit vertreibt.

Gedichte hab ich haufenweis ́ geschrieben,
doch nur wenige sind bis heut ́ geblieben,
denn sie waren reihenweise
die aller - allergrößte Sch...

Darum hab ich sie vor Frust zerrissen
und dann in den Fluss geschmissen.
Nachher tat es mir dann wieder leid.
Ich hab’s gebeichtet und bereut.

Nur eines habe ich aus dem Fluss gefischt,
welches das ist, verrate ich nicht.


( Eine Zeile bei „Anneliese“ geklaut)

Die tanzenden Matronen

Als ich auszog von zu Hause,
mich zurückzog in ´ne Rentnerklause,
nahm ich steinerne Figuren mit:
Matronen-Göttinnen, immer zu dritt.

Auf dem Kühlschrank stellte ich sie auf,
nun nahm das Schicksal seinen Lauf.
Die Matronen tuschelten auf eigene Weise
in fremder Sprache kehlig leise.

„Und sie tanzten einen Tango“,
fit und frisch durch täglich Fango.
Dann folgte eine heiße Rumba
und als Höhepunkt ´ne flotte Zumba.

Dazu summte der Kühlschrank eine Melodie
und vibrierte heftig wie noch nie.
So schwoften die drei die ganze Nacht
und haben mich um den Schlaf gebracht.

Morgens in der Früh wurde es klar,
bei Vollmond hier ´ne geile Party war.
Nun saßen die drei Matronen am anderen Ende,
im Schoß unschuldig die göttlichen Hände.

(Anlässlich der Eifeler Buchmesse 2022 in Nettersheim)

Das Glück

Das Glück -
ich wollt´s mit beiden Händen fassen,
wollt´ es besitzen und nicht andern lassen.
Das Glück -
ich sucht´es in der Liebe, nur für mich allein,
beim Feiern, Tanzen, Fröhlichsein.
Das Glück -
wo war es in der weiten Welt?
Was es bei Reichtum, Luxus, Geld?
Das Glück -
traf ich es irgendwo,
enttäuschte mich, es macht nicht froh.
Das Glück -
ich fand´s in kleinen Dingen,
im Blätterrauschen, Vogelsingen.
Das Glück -
es strahlt aus Hoffnung, die man gibt,
glückich, wer seinen Bruder liebt.
Das Glück -
es keimt im Kummer und im Leid,
wächst in der Stille, blüht, gedeiht.
Das Glück -
es ruht ganz tief in mir,
es macht so froh - ich schenk es dir.

Das Monschauer Land Jahrbuch 1985

Das versunkende Köln (eine nebulöse Geschichte)

Auf dem Kölner Markt, da steht ein Mann,
der bietet gute Waren an.
Aus der Eifel kommt er her,
hat Butter, Speck und vieles mehr.
Er verkauft recht gut; er zählt sein Geld,
für heute reicht´s. Was kost´ die Welt?

Er will noch nicht nach Hause gehen,
möcht´ sich die Stadt etwas beseh´n.
Er ist zwar bieder - doch ein Mann -
die Gasthäuser, die zieh´n ihn an.
Er kann nicht lange widersteh´n,
er muss so ´n Haus von innen seh´n.

Viel später kommt er schwankend raus
und macht sich auf den Weg nach Haus.
Er zeigt am Stadttor seinen Pass,
erzählt noch was vom Kneipen-Spaß,
dann wendet sich von Köln sein Sinn,
zur Heimat zieht es ihn nun hin.
Denn auch die wunderschöne Eifel
hat viel zu bieten - ohne Zweifel.

Der Weg wird ihm so lang und schwer!
Er torkelt hin, er torkelt her.
Die Beine woll´n ihn nicht mehr tragen,
auf allen Vieren muss er’s wagen.
Grimmig verflucht er Köln und Käufer,
durch deren Geld er wurd´ zum Säufer:
„Erde! Verschlinge diese Stadt,
die so verruchte Kneipen hat!“
Mühsam erhebt er seinen Blick
und schaut in Richtung Köln zurück.

Da wird er bleich und starr vor Schreck:
Die ganze Stadt ist wirklich weg!
Wo ansonsten all die Häuser steh´n,
da ist rein gar nichts mehr zu seh´n.
„Na ja, das hat man halt davon,
wenn man´s so treibt wie Babylon!“

Mühselig rappelt er sich auf,
weiter durchs Tal und dann bergauf.
Erst wo die Eifelwinde weh´n,
da kann er wieder grade geh´n.
Allmählich wird es ihm dann klar,
dass sein Verfluchen unrecht war.

Die Stadt, die hat doch nicht nur Sünder,
es leben Frauen dort und Kinder!
Und alle sind ins Nichts versunken,
nur weil er hat zu viel getrunken.
Er sieht vor sich das schrecklich´ Ende
und hebt zum Himmel seine Hände:
„Oh, lieber Gott, erhör mein Fleh´n,
lass Köln doch wieder aufersteh´n!“

Und er erreicht nen kleinen Gipfel
und sieht tatsächlich einen Zipfel.
Jetzt strebt er immer hoch und höher
und kommt der höchsten Spitze näher.
Keuchend kommt er oben an -
sieht staunend das, was Gott getan:
Im Abendrot strahl´n um die Wette,
Dächer, Türme, Dom-Silhouette.

Nach Haus geht’s jetzt im Dauerlauf,
er reißt die erste Kneiptür auf,
erzählt von seiner trunk´nen Tat -
und wie er Köln gerettet hat.

Kreis Euskirchen Jahrbuch 1984