Das Goldfeuerchen

von Gottfried Henßen, 1955


Am Rathaus zu Münstereifel wollte ein Dienstmädchen zur Frühmesse gehen. Da sieht sie, dass am Rathaus ein Feuerchen brennt. Schnell holt sie sich eine Kohlenschaufel, nimmt eine Schaufel voll glühender Kohlen und schüttet diese auf die Feuerstelle. Damals kannte man den Küchenherd noch nicht. Nun setzt das Mädchen Kaffeewasser auf und läuft zur Kirche.
Wie sie aus der Kirche kommt, sieht sie, dass die Kohlen nicht verbrannt sind. Es waren reine Goldstücke. Sie wundert sich und erzählt es ihrem Dienstherrn. Dieser, nicht faul, rafft die Goldstücke zusammen. Da sagt das Mädchen: Ich will aber auch etwas von dem Geld haben. Aber der Herr nahm das ganze Gold, behielt es für sich und schickte das Mädchen fort. Das war aber doch nicht richtig?!
Hätte das Mädchen an dem Herdfeuer gesprochen, dann hätte der Geist, der in dem Feuerchen war und es beschützte, das Mädchen umgebracht. Nun hatte es aber geschwiegen und konnte sich daher das Gold nehmen. Der Mann, muss deswegen mit dem Geld kein Glück gehabt haben.


Mündliche Überlieferung (in Dialekt) um 1900 von Frau Glöckner, Münstereifel.
In: Gottfried Henßen: Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes, 1955. Aus dem Nachlass Heinrich Hoffmanns. Übersetzung in: Sophie Lange: Im Dunkel der Nacht, 2001, Seite 67